Wert, es zu retten

Zur Übersicht

Darakon sah etwas irritiert zu der Gruppe. Es war selten, dass jemand so ein Angebot ausschlug. Nun ja, sie kannten ihn nicht und unterschätzten ihn womöglich. Doch das würde sie nicht vor dem Tode bewahren. Mit einer Bewegung, die so schnell war, dass man sie nur schwer erfassen konnte, erschien ein langer Stab in seiner Hand und ein schwarzer Blitz flog auf April und Affascina zu. Colt, der den Frauen am nächsten stand, warf sich dazwischen. Für einen Moment schien die Zeit still zu stehen. Dann landete der leblose Körper des Cowboys mit einem dumpfen Laut auf dem Boden. Seine Augen waren weit aufgerissen und sein Mund zu einem Schrei, für den er keine Zeit mehr gehabt hatte, geöffnet. Auf seiner Brust war lediglich ein schwarzer Fleck zu sehen, sonst nichts. Langsam segelte nun auch sein Hut zu Boden und landete neben Sabers Füßen.
Voller Entsetzen blickten die Freunde zu ihrem toten Kameraden. Nicht in ihren schlimmsten Alpträumen hätten sie sich vorstellen können, dass so etwas jemals passierte.
April hatte angefangen unkontrolliert zu schluchzen. Es war zu viel für sie. Einer ihrer Freund lag da, tot. Nie wieder würde sie mit ihm albern. Nie wieder würde sie ihm den Ellenbogen in die Rippen stoßen. Nie wieder würden sie sich über seine Sprüche amüsieren. Nie wieder. Das zu erfassen war schwer.
Saber beugte sich zu dem Hut hinab und hob ihn auf. Langsam drehte er ihn in den Händen. Ihm standen, wie auch Fireball die Tränen in den Augen. In all der Zeit waren sie einfach mehr geworden, als nur Kollegen. Sie waren Freunde.
"Ich gebe euch, ganz gegen meine Natur noch einmal die Chance euch hier herauszuhalten. Einer von euch musste schon sein Leben geben. Überlegte euch gut, ob auch ihr eures verlieren wollte!" sagte Darakon und blickte alle der Reihe nach an.
"Jetzt erst Recht nicht! Er hat sein Leben dafür gegeben und wir werden das auch!" schrie ihm April entgegen und funkelte den Reiter aus ihren verweinten, blauen Augen an. Saber und Fireball waren bei ihren Worten noch näher zu ihnen gekommen und blickten ihrerseits Darakon mit wilder Entschlossenheit an.
Affascina hatte die Szene aus trüben Augen mit angesehen. Zu sehen, wie Fremde für sie ihr Leben gaben, ohne zu wissen, wer sie wirklich war, das ließ ein Licht in ihrem Herzen erglimmen. Sie spürte die Tränen der jungen Frau und das Leid, welches darin steckte. Sie spürte die Wut auf das Böse, das ihren Freund getötet hatte und vor allem spürte sie die bedingungslose Entschlossenheit, mit der jeder, der verbliebenen, breit war, für seine Prinzipien und das Gute Einzustehen. Sie blickte zu Darakon, in dessen Fratze des Bösen, in seine hasserfüllte und mordlustigen Augen. Es würde diesem Monster sogar noch Spaß machen, diese unschuldigen Seelen zu töten und ihre Lebensgeister aus ihren Augen schwinden zu sehen. Dass sie direkt danach sterben würde, das war ihr egal. Aber was war mit all den Wesen dieser Welt, die auch so ein gutes und reines Herz hatten, wie die Weltenbummler? Was würde er mit ihnen machen? Sie alle töten? Ihnen ihre Hoffnung und ihr Glück rauben? Oder sie ständig dem Bösen aussetzen? Sie würden leiden, ein Leben lang und würden sich auf den Tod freuen. Tränen sammelten sie in den dunkelblauen Augen von Affascina. Das durfte nicht sein, nein!
April bemerkte ein Leuchten in ihrem Augenwinkel und blickte zu Affascina herum. Ihre Wunde hatte begonnen sich zu schließen und ihre Augen funkelten, wie die Sterne am Firmament. Von ihr ging eine Wärme und eine Zuversicht aus, dass April für einen Moment den großen Schmerz vergaß und einfach nur noch genießen konnte. Auch die Jungs konnten ihren Blick nicht mehr von dieser Lichtgestalt wenden, die immer mehr strahlte und an Kraft gewann.
"Was?!? NEIN!" schrie Darakon. Seine Augen weiteten sich vor Schrecken und Angst. Er hatte so lange darauf hingearbeitet, dass die Prinzessin ihren Glanz und ihre Kraft verlor. Er hatte ihr nach und nach ihr Vertrauen in die Welt und diese Wesen genommen, sie so geschwächt und sie verletzbar gemacht. Das konnten doch diese Wichte nicht alles in kurzer Zeit und mit ein paar Worten zu Nichte machen! Schnell richtet er seinen Stab auf die Gruppe. Er musste handeln, bevor die Prinzessin wieder in vollem Glanze erstrahlte, denn dann hätte er keine Chance mehr gegen sie. Er musste die Augen schließen, um nicht von dem Licht, das sie schon jetzt ausstrahlte, zu erblinden. Ohne weiter zu Zielen, schoss er und legte seine ganze böse Energie hinein.
Doch Affascina gewann zu schnell alles zurück. Ihre Zuversicht und ihr Glaube waren wieder erwacht. Darakons Taten und sein Handeln hatte ihr Herz verschüttet und in Trümmern liegen lassen, doch das war jetzt vorbei. Sie setzte sich auf und blickte mit einem dankbaren Lächeln zu den Dreien. Mit einer wegwischenden Handbewegung wehrte sie den bösen Strahl ab, bevor sie sich völlig aufrichtete. Ihr Kleid war wieder ganz und umschmeichelte ihren zarten und zerbrechlich wirkenden Körper. Ihr Haar schimmerte wie die Sonne selbst und fiel ihr über die schmalen Schultern. Alles an ihr war in ein Licht getaucht, das einem alle Sorgen nahm und einfach gut tat.
Keiner der Dreien brachte auch nur ein Wort heraus. Es war zu fantastisch, um es in Worte zu fassen. April krabbelte zu dem toten Körper von Colt und bettete seinen Kopf in ihrem Schoß. Auch Saber und Fireball gesellten sich hinzu und schauten stumm dem weiteren Geschehen zu.
Affascina ging mit schwebenden Schritten auf Darakon zu. Sein Pferd scheute und warf ihn ab, bevor es wegrannte. Auch keiner der Trolle war in der Lage etwas zu tun. Sie wichen nur zurück und einige ergriffen gleich die Flucht. Ob sie ahnten, was ihnen nun blühen würde? "Das ist nicht das Ende, es werden andere kommen. Andere, die sind wie ich und vielleicht sogar stärker!" rief Darakon Affascina entgegen und richtete sich auf. Den Stab, mit dessen Blitz er Colt getötet hatte, hielt er zwar auf die Frau gerichtet, doch es war klar, dass er keine Wirkung haben würde.