"Es war einmal, in einer nicht all zu fernen Zukunft, da taten sich Gut und Böse zusammen, um gemeinsam etwas zu schaffen, das bisher noch keiner gewagt hatte. Und somit traten sie ein, in eine dunkle Welt voller Abenteuer und Gefahren, die noch nie zuvor ein Mensch gesehen hatte...."
"Hey Saber, hör auf, so einen geschwollenen Blödsinn zu erzählen!" rief Fireball. "Ich weiß ja, du hättest die Rolle des Erzählers gern gehabt, aber man hat dir nun mal die des Küchenjungen gegeben."
Saber ließ missmutig den Kopf hängen. Er stand in dem tollen Kostüm des Geschichtenerzählers, in dem er sich doch so wohl fühlte, auf der Bühne.
Das KOK hatte sich mit den Phantomwesen zusammengeschlossen, um ein Theaterstück aufzuführen. Der Erlös daraus sollte beiden Parteien zu Gute kommen. Sie hatten sich in dem langen Krieg gegenseitig zu Grunde gerichtet und nun kein Geld mehr für den Wiederaufbau. Selbst Commander Eagle und der Phantomboss Nemesis hatten Rollen in dem Theaterstück bekommen. Nach längerem Streit ist die Wahl dann auf das Märchen Dornröschen gefallen. Die Proben liefen nun schon seit Wochen und man hatte nicht das Gefühl, dass es besser wurde. Trotzdem sollte sich in einer haben Stunde der Vorhang heben und die Premiere beginnen.
Saber trottete hängenden Kopfes hinter die Bühne und übergab das Erzählerkostüm Jesse, der bereits ungeduldig wartete. Dann suchte er sich die Kleidungsstücke, die er für die Verkleidung als Küchenjunge brauchte. Es gefiel ihm gar nicht, dass der Wrangler, welcher den Koch spielte, ihm am Ende eine Ohrfeige geben durfte.
"Ich war doch sonst immer der Held? Warum nicht diesmal?" seufzte Saber.
"Du hör auf, dich zu beschweren!" meckerte Colt, der in seinem rosa Feenkostüm und mit den angeklebten Libellenflügeln neben ihm stand.
"Warum waren Fireball und April die einzigen, die Glück mit den Rollen hatten?" fragte Saber bedrückt.
"Es wurde nach der Größe der Kostüme entschieden. Fireball paßt nun mal genau in das des Prinzen und April in das der Prinzessin." erklärte Colt.
"Dann muss die letzt Frau, welche die böse Fee gespielt hat, ja mächtig groß gewesen sein." meinte Saber und dachte dabei an die Person, die nun die Fee spielte.
"Nein, wir hatten einfach kein besseres Kostüm für die Rolle und die normale Kleidung paßte schon recht gut."
"NOCH 10 MINUTEN BIS ZUM AUFTRITT!!" rief Commander Eagle und alle beeilten sich.
Der Zuschauerraum war gefüllt bis auf den letzten Platz. Alle in Yumacity wollten dieses Theaterstück sehen. Leider bot das Theater nur Platz für 250 Leute, denn der große Raum des Theaters war im Krieg zerstört worden.
Kurz bevor der Vorhang aufging, kam noch mal ein Wrangler zu Jesse.
"Der Drachenrenegade steht bereit." sagte er.
Jesse nickte zufrieden und der Outrider verschwand. Dann hob sich der Vorhang und ein tosender Applaus ertönte. Jesse wartete einen Augenblick.
Dann fing er an: "Es war einmal vor einer langen Zeit, in einem weit entfernten Königreich. Da lebten ein König und eine Königin, denen es lange nicht möglich war, ein Kind zu bekommen. Dies lag daran, dass der gute König sein wichtigstes Stück im Krieg verloren hatte und man ihm im Krankenhaus auch noch den Rest entfernte. Nun war der König aber nicht ganz helle und so freute er sich überschwänglich, als ihm seine Gattin berichtete, sie sei schwanger. Jeder im Königreich wußte natürlich, dass dieses Kind vom Postboten war, aber es störte keinen. Die schöne Königin und der König traten nun in den Saal, in dem die Taufe des Kindes stattfinden sollte und waren voller Stolz....." beendete Jesse seine Rede.
Er trat einen Schritt zurück, die Scheinwerfer gingen an und offenbarten die Kulisse eines Ballsaales. In diesem standen zwei Holzstühle und eine Wiege.
Nun traten Commander Eagle als König und Prinz Roland als Königin ein.
Hinter der Bühne standen Colt und April zusammen: "Warum hat man den als Königin ausgewählt?" fragte Colt.
April blickte ihn an. "Man wollte die Königin etwas Besonderes sein lassen und fand den Akzent von Prinz Roland ganz passend."
König und Königin beugten sich über die Wiege.
"Ist unsere kleine Prinzessin nischt ein `wunder'übsches Mädschen?" fragte Roland und blickte liebevoll in die Wiege.
"Ja, das ist sie. Nur die Nase sollte korrigiert werden." bestätigte der König.
"Isch denke, der Könisch des Nachbarlandes wird höchst erfreut sein, wen wir ihm die èirat mit unserer Kleinen versprechen." sagte die Königin.
"Ja und eines Tages wird unsere Aurora dann die Herrschaft über sein Königreich übernehmen und ihrem alten Vater endlich das neue Raumschiff überreichen, welches der alte Königskrüppel vom Nachbarland hat." meinte der König verträumt.
"Die Pferdezucht." zischte es vom Bühnenausgang her. Dort stand Robin mit dem Textbuch.
"Was?" fragte der König leise und lehnte sich in ihre Richtung.
"Die Pferdezucht wird ihnen übergeben, nicht das Raumschiff." zischte Robin.
"Ah ja... ich meine natürlich die Pferdezucht." verkündete der König laut in den Saal.
"Ja und nun laßt uns gehen, isch brauche meinen Schön`eitsschlaf." meinte die Königin.
"Na, hoffentlich hilft's was." grummelte der König noch, bevor beide die Bühne verließen.
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