Dann sagte die gelbe Fee: "Nun doch, so in etwa trifft es die Sache."
Aurora erschrak: "Oh nein! Ich habe doch heute mein Herz an einen völlig Fremden verschenkt, nachdem wir uns fünf Minuten unterhalten haben. Ich werde ihn heute noch heiraten."
Colt schüttelte den Kopf: "Ach, zick jetzt nicht rum, sondern komm!"
Der Vorhang erhob sich und Jesse fuhr durch die Hebebühne hoch.
"Wie grausig war doch Auroras Schicksal. Und doch sollte es noch grausiger kommen, denn ihre Tante in Rosa wollte ihr, am Schloss angekommen, unbedingt ihr Hobby zeigen. So führte die Tante sie in ein Turmzimmer mit einem Schießstand."
Colt und April traten in die Kulisse eines Schießstandes.
"So, mein Kind, nun zeige ich dir, wie das geht." sagte die Fee und zog ihren Blaster. Sie feuerte zielgenau auf die Pappaufsteller und traf jedes Mal mitten ins Schwarze. Aurora war begeistert und wollte es unbedingt selbst versuchen. Sie riß an dem Blaster und richtete ihn auf das Ziel, doch hielt sie die Waffe verkehrt herum und feuerte statt dessen auf sich selbst.
"NEIIIIIIIIN!!!" schrie die Coltfee.
Doch es war zu spät. April sank zu Boden, ohnmächtig. Nachdem die Coltfee selbiges festgestellt hatte, nahm sie den Blaster an sich und verschwand kindisch pfeifend aus dem Raum.
"Wenn mich einer fragt, ich war es nicht."
Wieder erschien Jesse auf der Bühne. "Da lag sie nun und schlief. Und aus Solidarität schlief das ganze Haus mit. Da der Gärtner, der im Garten die Rosen düngte, nun ebenfalls in tiefen Schlaf gefallen war, floß der schnell wirkende Dünger in die Erde und innerhalb von zehn Minuten war das Schloß zugewuchert."
Man sah Tonnen von Dornengestrüpp, das auf die Bühne geworfen wurde.
"Und, ach! Der Prinz des Nachbarlandes hatte seine Geliebte nicht im Wald wieder getroffen. So machte er sich schweren Herzens auf den Weg zum Schloß."
Im Hintergrund sah man Fireball sich durch die Dornen kämpfen.
"Benutz dein Schwert, du Hornochse!" rief Jesse ihm zu: "Und ändert gefälligst die Kulisse!"
"Aber Jesse, dazu brauchen wir eine Pause." beschwerte sich einer der Wrangler.
"Na, dann machen wir eine." entgegnete Jesse und der Vorhang schloß sich.
Als er sich fünf Minuten später wieder öffnete, war das Kulissenbild ein Schloß und davor lagen die Dornensträucher und ein Turm aus Pappe stand daneben. Fireball stand davor und zog mutig das Schwert. Doch es war ihm viel zu schwer. Er hob es mit beiden Händen über den Kopf und verlor das Gleichgewicht. Er fiel und sein Kostüm riß auf. Das Publikum johlte. Doch so leicht wollte er sich nicht geschlagen geben. Er zog seinen Blaster und ballerte sich die Sträucher aus dem Weg.
Als er endlich am Turm angekommen war, rief er: "Aurora, Aurora, laß dein Haar herunter!"
Eine Zeit lang passiert nichts. Er räusperte sich und rief erneut: "Aurora, Aurora, laß dein Haar herunter!"
"Das ist das falsche Märchen!" rief Robin. Sie hatte die Nase voll, von so viel Inkompetenz umgeben zu sein.
Nun schien es Fireball auch wieder einzufallen und er machte einen neuen Versuch: "Spieglein, Spieglein an der Wand."
Hinter der Bühne hörte man Robin nur noch schreien.
"Ähm... Heute back ich, morgen brau ich, übermorgen hol ich mir der Königin ihr Kind...." es wollte ihm einfach nicht einfallen.
Jesse hatte davon ebenso die Nase voll.
"Du sollst gar nichts sagen, sondern hinter dem Vorhang verschwinden, damit wir die Kulisse erneut umbauen können!" rief er gereizt.
Gesagt, getan, Fireball verschwand und der Vorhang schloß sich abermals.
Danach sah man wieder das Turmzimmer mit der schlafenden Prinzessin. Überall hatte man Kerzen aufgestellt.
"Und so erreichte der mutige Blechstern... ähm Prinz das Zimmer, fand seine Prinzessin und war hoch entzückt." erzählte Jesse.
Fireball rannte auf die Bühne, blickte zu April und dann zum Publikum.
"Da ist ja meine schlafende Prinzessin! Ich bin hoch entzückt von ihrer schlafenden Gestalt! Es ist, als könnt friedlicher kein Mensch sein." Er hatte seine rechte Hand auf sein Herz gelegt und mit der Linken theatralisch in der Luft herum gewedelt. Leider war er dabei in die Flamme einer Kerze gekommen und sein Ärmel hatte Feuer gefangen. Doch er sprach unbeirrt weiter: "Mein Herz erwärmt sich bei diesem Anblick, mein Körper fängt Feuer...." da bemerkte er, was geschehen war. "Wahhh mein Körper fängt Feuer!" rief er immer wieder und rannte wie irre auf der Bühne umher.
Das Publikum war begeistert von diesem atemberaubenden Stilmittel und spendete Applaus.
Endlich erbarmte sich jemand und schüttete einen Eimer Wasser über Fireball, der sofort zu Aprils Bett sprang. Er kniet sich zu ihr und küßte sie. Die Prinzessin erwachte und gab dem Prinzen eine ungeheure Ohrfeige, die er bis an sein Lebensende nicht vergessen konnte. Doch dann erblickte sie ihn erst richtig.
"Oh, mein Prinz aus dem Nachbarland." schwärmte sie und stand auf.
"Komm, laß uns Hochzeit feiern!" rief der Prinz aus und beide verließen sie die Bühne.
Der Vorhang ging abermals zu.
"So konnten sich zwei Liebende doch noch finden und weil Dornröschen, wie Aurora fortan genannt wurde, nun aufgewacht war, erwachte auch das ganze Schloss zum Leben und man stellte fest, dass man mindestens eine ganze Stunde geschlafen hatte. Nun lasset uns sehen, wie die Hochzeit verlief." sagte Jesse.
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