Noch während er sprach, ging der Vorhang auf und man sah eine Waldlandschaft, in der April in einem schäbigen Kleid umher sprang.
Dann blickte Jesse auf seine Armbanduhr.
"Oh, wir haben die Pause ja ganz vergessen. Leute, Vorhang runter und Pause!" rief er und genau das geschah.
Hinter der Bühne gab es einen riesigen Streit.
"Was soll das heißen, rausgekürzt?!" empörte sich Saber.
"Ja, wir hatten nun mal keinen Platz mehr für den Küchenjungen." sagte Gattler, der das Drehbuch schrieb.
"Aber... aber ihr könnt mich doch nicht einfach wegkürzen!" rief er.
"Wir konnten und wir haben." entgegnete Susi, die neben Gattler saß. Saber ging beleidigt in die Garderobe zurück.
"Hat jemand mein Make Up gesehen?!" rief April hektisch, während Robin ihr folgte und versuchte, ihren Lippenstift zu erneuern.
"Wir brauchen Kerzen." stellte Susi fest.
"Was? Wofür?" fragte Colt.
"Na, um die romantische Atmosphäre zum Ausdruck zu bringen, wenn der Prinz endlich seine Prinzessin küßt." sagte Gattler. Das sahen alle ein, jedoch gab es weitere Probleme. Fireball beschwerte sich, dass sein Kostüm zu eng sei, Saber zickte wegen der Kürzung rum. Jesse wollte plötzlich die Rolle des Prinzen haben, die Kulisse mit den Rosen war zusammengebrochen, Colts Korsett war zu eng geschnürt und er bekam einen Schwächeanfall. Man konnte ihn aber nicht ins Krankenhaus bringen, da es zu lange gedauert hätte, also zog man ihm das Korsett aus, wodurch er jedoch recht unförmig in dem Kleid wirkte.
Nach einer halben Stunde musste dann jedoch der Vorhang wieder aufgehen. April sprang wieder zwischen der Baumkulisse herum und Jesse stand im Vordergrund.
"Ja, nun wo waren wir...." meinte er und blätterte in den Karteikarten herum. "Ach ja. Eines Tages kam ein schöner Prinz auf seinem stattlichen Pferd durch den Wald geritten."
Man sah Fireball auf Steed auf die Bühne reiten. Er trug das Kostüm des Prinzen. Er blickte traurig zu Boden.
"Ach, was soll ich nur tun? Mein Vater will, dass ich noch heute heirate. Heute abend soll ich meine Braut kennenlernen und ich weiß noch immer nicht, ob man ihr die Operation bezahlt hat." jammerte er, zum Publikum gewandt. Aurora hatte den Prinzen entdeckt und stand nun ebenfalls vor den Zuschauern.
"Was ist das nur für ein fremder Mann? Er sieht so gut aus. Ich fühle, wie mein Herz schlägt, als hätte es nie zuvor geschlagen." verkündete sie dem Publikum. Dann drehten sich beide zueinander.
Aurora lächelte, und der Prinz erwiderte dies.
"Solch Schönheit wie euch sah ich erst einmal in meinem Leben, es war meine Mutter. Aber sagt mir, wie ist euer Name?" fragte Fireball und man merkte, dass er sich dieser Sprache nicht oft bediente.
"Ich heiße Aurora." antwortete April.
"So wie die Prinzessin dieses Landes." stellte Fireball fest: "Aber im Gegenteil zur Prinzessin habt ihr eine sehr wohlgeformte Nase."
April wurde rot. "Ich danke euch für dieses außergewöhnliche Kompliment, nur habe ich die Prinzessin nie gesehen. Ich war noch nie zuvor in der Stadt und lebe schon mein ganzes Leben hier mit meinen Tanten auf dem Land. Aber nun sagt mir doch euren Namen."
Fireball kam ins Stocken. "Ich ja... ähm.... ich...ich bin der Prinz des Nachbarlandes."
"Oh, Prinz des Nachbarlandes, welch schicksalhafte Begegnung. Erzählt mir mehr von euch." bat Aurora verliebt.
Der Prinz stieg ab und setzte sich zu ihr auf einen Baumstamm.
"Ich mag Autorennen. Aber sehr bald werde ich das nicht mehr ausüben können." seufzte er.
"Aber das ist ja schrecklich! Werdet ihr bald zu alt dafür sein?" fragte Aurora mitfühlend.
"Aber nein! Ich werde heiraten müssen. Und ich bin mir sicher, meine Frau wird es nicht gut heißen, wenn ich Rennen fahre. Sie wird sicher verlangen, dass ich zu Hause bleibe und mit den Kindern spiele." jammerte der Prinz.
"Oh, welch furchtbare Frau. Natürlich muss SIE zu Hause bleiben und auf die Kinder achten. Das gehört sich nun mal so."
Der Prinz sah Aurora verzückt an: "Wollt ihr nicht meine Frau werden?"
"Aber mit Freuden." rief Aurora aus.
"Gut! Ich werde euch heute Nachmittag abholen, bis dahin gehabt euch wohl." sagte der Prinz, stieg auf sein Pferd und ritt davon. April hüpfte weiter durch den Wald und kam dann in das Haus ihrer Tanten.
Es war schlau gemacht, denn man trug die Kulissen im Hintergrund einfach nur weiter, so sah es aus, als würde sie tatsächlich durch den Wald laufen. Dann brachten noch zwei Bühnenarbeiter einen Tisch mit einem Kuchen in die neue Kulisse und fertig war sie. Die drei Feen traten hinzu.
"Liebes Kind, alles Gute zum Geburtstag." sagte die blaue Fee.
"Und wir haben eine so wunderbare Überraschung für dich, dass du uns für den Rest deines Lebens lieben wirst." sprudelte es aus der rosa Fee heraus, wobei Colt mit einer besonders verstellten Stimme sprach.
"Ach, ihr lieben Tanten. Ich danke euch. Aber von welch einer Überraschung sprecht ihr? Ihr wollt mir doch nicht etwa erzählen, dass ich in Wahrheit eine Prinzessin bin und heute meine Eltern und meinen künftigen Ehemann treffen soll, oder?" fragte Aurora.
Die drei Feen blickten einander an.
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